Von Brenner nach Verona, die Italienische Reise von Goethe

Von Brenner nach Verona, die Italienische Reise von Goethe

Die Italienische Reise ist ein Reisebericht, in dem Johann Wolfgang von Goethe seinen Italienaufenthalt zwischen September 1786 und Mai 1788 beschreibt. Das zweiteilige Werk basiert auf arimidex for sale in canada seinen ReisetagebA?chern, entstand jedoch erst wesentlich spAi??ter, zwischen 1813 und 1817.

Trient, den 11. September, frA?h.

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“Nachdem ich vAi??llig funfzig Stunden am Leben und in steter BeschAi??ftigung gewesen, kam ich gestern abend um acht Uhr hier an, begab mich bald zur Ruhe und finde mich nun wieder imstande, in meiner ErzAi??hlung fortzufahren. Am Neunten abends, als ich das erste StA?ck meines Tagebuchs geschlossen hatte, wollte ich noch die Herberge, das Posthaus auf dem Brenner, in seiner Lage zeichnen, aber es gelang nicht, ich verfehlte den Charakter und ging halb verdrieAYlich nach Hause. Der Wirt fragte mich, ob ich nicht fort wollte, es sei Mondenschein und der beste Weg, und ob ich wohl wuAYte, daAY er die Pferde morgen frA?h zum Einfahren des Grummets brauchte und bis dahin gern wieder zu Hause hAi??tte, sein Rat also eigennA?tzig war, so nahm ich ihn doch, weil er mit meinem innern Triebe A?bereinstimmte, als gut an. Die Sonne lieAY sich wieder blicken, die Luft war leidlich; ich packte ein, und um sieben Uhr fuhr ich weg. Die AtmosphAi??re ward A?ber die Wolken Herr und der Abend gar schAi??n.
Der Postillon schlief ein, und die Pferde liefen den schnellsten Trab bergunter, immer auf dem bekannten Wege fort; kamen sie an ein eben Fleck, so ging es desto langsamer. Der FA?hrer wachte auf und trieb wieder an, und so kam ich sehr geschwind, zwischen hohen Felsen, an dem reiAYenden EtschfluAY hinunter. Der Mond ging auf und beleuchtete ungeheuere GegenstAi??nde. Einige MA?hlen zwischen uralten Fichten A?ber dem schAi??umenden Strom waren vAi??llige Everdingen.
Als ich um neun Uhr nach Sterzing gelangte, gab man mir zu verstehen, daAY man mich gleich wieder wegwA?nsche. In Mittenwald Punkt zwAi??lf Uhr fand ich alles in tiefem Schlafe, auAYer dem Postillon, und so ging es weiter auf Brixen, wo man mich wieder gleichsam entfA?hrte, so daAY ich mit dem Tage in Kollmann ankam. Die Postillons fuhren, daAY einem Sehen und HAi??ren verging, und so leid es mir tat, diese herrlichen Gegenden mit der entsetzlichsten Schnelle und bei Nacht wie im Fluge zu durchreisen, so freuete es mich doch innerlich, daAY ein gA?nstiger Wind hinter mir herblies und mich meinen WA?nschen zujagte. Mit Tagesanbruch erblickte ich die ersten RebhA?gel. Eine Frau mit Birnen und Pfirschen begegnete mir, und so ging es auf Teutschen los, wo ich um sieben Uhr ankam und gleich weiterbefAi??rdert wurde. Nun erblickte ich endlich bei hohem Sonnenschein, nachdem ich wieder eine Weile nordwAi??rts gefahren war, das Tal, worin Bozen liegt. Von steilen, bis auf eine ziemliche HAi??he angebauten Bergen umgeben, ist es gegen Mittag offen, gegen Norden von den Tiroler Bergen gedeckt. Eine milde, sanfte Luft fA?llte die Gegend. Hier wendet sich die Etsch wieder gegen Mittag. Die HA?gel am FuAYe der Berge sind mit Wein bebaut. A?ber lange, niedrige Lauben sind die StAi??cke gezogen, die blauen Trauben hAi??ngen gar zierlich von der Decke herunter und reifen an der WAi??rme des nahen Bodens. Auch in der FlAi??che des Tals, wo sonst nur Wiesen sind, wird der Wein in solchen eng aneinander stehenden Reihen von Lauben gebaut, dazwischen das tA?rkische Korn, das nun immer hAi??here Stengel treibt. Ich habe es oft zu zehn FuAY hoch gesehen. Die zaselige mAi??nnliche BlA?te ist noch nicht abgeschnitten, wie es geschieht, wenn die Befruchtung eine Zeitlang vorbei ist.
Bei heiterm Sonnenschein kam ich nach Bozen. Die vielen Kaufmannsgesichter freuten mich beisammen. Ein absichtliches, wohlbehagliches Dasein drA?ckt sich recht lebhaft aus. Auf dem Platze saAYen Obstweiber mit runden, flachen KAi??rben, A?ber vier FuAY im Durchmesser, worin die Pfirschen nebeneinander lagen, daAY sie sich nicht drA?cken sollten. Ebenso die Birnen. Hier fiel mir ein, was ich in Regensburg am Fenster des Wirtshauses geschrieben sah:

“Comme les pA?ches et les mAi??lons grifulvin, new healthy man viagra.
Sont pour la bouche d’un baron,
Ainsi les

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verges et les bA?tons
Sont pour les fous, dit Salomon.”

DaAY ein nordischer Baron dies geschrieben, ist offenbar, und daAY er in diesen Gegenden seine Begriffe Ai??ndern wA?rde, ist auch natA?rlich.
Die Bozner Messe bewirkt einen starken Seidenvertrieb; auch TA?cher werden dahin gebracht und was an Leder aus den gebirgigen Gegenden zusammengeschafft wird. Doch kommen mehrere Kaufleute hauptsAi??chlich, um Gelder einzukassieren, Bestellungen anzunehmen und neuen Kredit zu geben, dahin. Ich hatte groAYe Lust, alle die Produkte zu beleuchten, die hier auf einmal zusammengefunden werden, doch der Trieb, die Unruhe, die hinter mir ist, lAi??AYt mich nicht rasten, und ich eile sogleich wieder fort. Dabei kann ich mich trAi??sten, daAY in unsern statistischen Zeiten dies alles wohl schon gedruckt ist und man sich gelegentlich davon aus BA?chern unterrichten kann. Mir ist jetzt nur um die sinnlichen EindrA?cke zu tun, die kein Buch, kein Bild gibt. Die Sache ist, daAY ich wieder Interesse an der Welt nehme, meinen Beobachtungsgeist versuche und prA?fe, wie weit es mit meinen Wissenschaften und Kenntnissen geht, ob mein Auge licht, rein und hell ist, wieviel ich in der Geschwindigkeit fassen kann, und ob die Falten, die sich in mein GemA?t geschlagen und gedrA?ckt haben, wieder auszutilgen sind. Schon jetzt, daAY ich mich selbst bediene, immer aufmerksam, immer gegenwAi??rtig sein muAY, gibt mir diese wenigen Tage her eine ganz andere ElastizitAi??t des Geistes; ich muAY mich um den Geldkurs bekA?mmern, wechseln, bezahlen, notieren, schreiben, anstatt daAY ich sonst nur dachte, wollte, sann, befahl und diktierte. Order
Von Bozen auf Trient geht es neun Meilen weg in einem fruchtbaren und fruchtbareren Tale hin. Alles, was auf den hAi??heren Gebirgen zu vegetieren versucht, hat hier schon mehr Kraft und Leben, die Sonne scheint heiAY, und man glaubt wieder einmal an einen Gott. Buy
Eine arme Frau rief mich an, ich mAi??chte ihr Kind in den Wagen nehmen, weil ihm der heiAYe Boden die FA?AYe verbrenne. Ich A?bte diese MildtAi??tigkeit zu Ehren des gewaltigen Himmelslichtes. Das Kind war sonderbar geputzt und aufgeziert, ich konnte ihm aber in keiner Sprache etwas abgewinnen.
Die Etsch flieAYt nun sanfter und macht an vielen Orten breite Kiese. Auf dem Lande, nah am FluAY, die HA?gel hinauf ist alles so enge an- und ineinander gepflanzt, daAY man denkt, es mA?sse eins das andere ersticken. ai??i?? WeingelAi??nder, Mais, MaulbeerbAi??ume, Apfel, Birnen, Quitten und NA?sse. A?ber Mauern wirft sich der Attich lebhaft herA?ber. Efeu wAi??chst in starken StAi??mmen die Felsen hinauf und verbreitet sich weit A?ber sie; die Eidechse schlA?pft durch die ZwischenrAi??ume, auch alles, was hin und her wandelt, erinnert einen an die liebsten Kunstbilder. Die aufgebundenen ZAi??pfe der Frauen, der MAi??nner bloAYe Brust und leichte Jacken, die trefflichen Ochsen, die sie vom Markt nach Hause treiben, die beladenen Eselchen, alles bildet einen lebendigen, bewegten Heinrich Roos. Und nun, wenn es Abend wird, bei der milden Luft wenige Wolken an den Bergen ruhen, am Himmel mehr stehen als ziehen, und gleich nach Sonnenuntergang das Geschrille der Heuschrecken laut zu werden anfAi??ngt, da fA?hlt man sich doch einmal in der Welt zu Hause und nicht wie geborgt oder im Exil. Ich lasse mir’s gefallen, als wenn ich hier geboren und erzogen wAi??re und nun von einer GrAi??nlandsfahrt, von einem Walfischfange zurA?ckkAi??me. Auch der vaterlAi??ndische Staub, der manchmal den Wagen umwirbelt, von dem ich so lange nichts erfahren habe, wird begrA?AYt. Das Glocken- und SchellengelAi??ute der Heuschrecken ist allerliebst, durchdringend und nicht unangenehm. Lustig klingt es, wenn mutwillige Buben mit einem Feld solcher SAi??ngerinnen um die Wette pfeifen; man bildet sich ein, daAY sie einander wirklich steigern. Auch der Abend ist vollkommen milde wie der Tag.
Wenn mein EntzA?cken hierA?ber jemand vernAi??hme, der in SA?den wohnte, von SA?den herkAi??me, er wA?rde mich fA?r sehr kindisch halten. Ach, was ich hier ausdrA?cke, habe ich lange gewuAYt, so lange, als ich unter einem bAi??sen Himmel dulde, und jetzt mag ich gern diese Freude als Ausnahme fA?hlen, die wir als eine ewige Naturnotwendigkeit immerfort genieAYen sollten”.

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